Deutsche Textversion /
English Text Version (sorry for errors, no native english speaker)
17.06.2026:
Das
Canon Super-Canomatic R 100mm f2
ist das neben dem 85mm f1.8 die etwas längere lichtstarke Portraitbrennweite in Canons erstem Spiegelreflex-System.
Eingeführt wurde das Objektiv im Jahr 1959 zur Canonflex.
Die optische Rechnung basiert dabei auf der LTM-Version des 100mm f2 zur Canon 7 -Meßsucherkamera-Serie. Manche Quellen behaupten sogar, dass die LTM-Version und diese Super-Canomatic-R-Version optisch identisch sind. Ich kann dies leider nicht belastend verifizieren
Interessant ist auch, dass diese Objektivrechnung nicht mit ins FL-System übernommen wurde.
Es bekam erst fast 20 Jahre nach seinem Auslaufen im Jahr 1980 im Canon (n)FD 100mm f2 einen ebenso lichtstarken Nachfolger.
Einige technische Daten:
Gewicht: 515g
Optisches System: 6 Linsen in 4 Gruppen
Blende: Vorwahlblende von f2 bis f16, 6 Blendenlamellen
Filterdurchmesser: 58mm
Naheinstellgrenze: 100cm
Einführungsjahr: 1959
Und so sieht das gute Stück aus:
2026-06-17:
The
Canon Super-Canomatic R 100mm f2
is in addition to the 85mm f1.8, the slightly longer light-heavy portrait focal length in Canon’s first SLR system.
The lens was introduced together with the Canonflex in 1959.
The optical calculation is based on the LTM version of the 100mm f2 for the Canon 7 Rangefinder-camera series. Some sources even claim that the LTM version and
this Super-Canomatic-R version are opticwise identical. Unfortunately, I cannot verify this in a burdensome way
It is also interesting that this lens calculation was not included in the FL system.
It only got an equally bright successor almost 20 years after its expiry in 1980 in the Canon (n)FD 100mm f2.
Some technical data:
Weight: 515g
Optical system: 6 lenses in 4 groups
Aperture: pre-selection screen from f2 to f16, 6 aperture slats
Filter diameter: 58mm
Close focusing limit: 100cm
Yer of introduction: 1959
And this is what the good piece looks like:
Das Objektiv hat eine normale Auszugsfokussierung.
Am kürzesten ist es bei unendlich-Einstellung,
je weiter man in den Nahbereich fokussiert, desto länger wird es.
The lens has normal pull-out focusing.
It is shortest at infinity setting,
the closer you focus, the longer it becomes.
Der Anschluss der Canon R-Kameras ist mit dem späteren FD-Bajonett ganz eng verwandt,
aber nicht 100% identisch.
Die einfachste Methode der Adaption ist die Modifikation eines handelsüblicher Adapter von Canon FD auf (in meinem Fall) Sony E-Mount, der hier gezeigte Adapter von Kecay funktioniert in diesem etwas speziellen Fall gut und wäre meine Empfehlung. Es muss nämlich der Blendenmitnehmestift AM ADAPTER entfernt werden, sonst lässt sich das Objektiv nicht ansetzen. Beim Kecay-Adapter kann dieser Stift einfach herausgedreht werden und die Modifikation ist somit reversibel.
Dieser Adapter ist günstig bei den großen Handelsplattformen zu bekommen.
The connection of the Canon R cameras is very closely related to the later FD bayonet,
but not 100% identical.
The simplest method of adaptation is to modify a commercially available adapter from Canon FD to (in my case) Sony E-Mount. The adapter from Kecay shown here works well in this somewhat special case and would be my recommendation. The aperture drive pin ON THE ADAPTER must be removed, otherwise the lens cannot be attached. With the Kecay adapter, this pin can simply be unscrewed and the modification is therefore reversible.
This adapter is available cheaply from the major trading platforms.
Und so sieht das Objektiv fertig adaptiert an eine der Testkameras aus:
And this is what the lens looks like when fully adapted to one of the test cameras:
Die Kombination aus Objektiv, Adapter und Kamera ist nicht gerade klein und leicht.
Das Objektiv ist mit seiner massiven Metallfassung sehr wertig, aber sein nicht gerade geringes Gewicht und die Baulänge machen die Kombination nicht wirklich kompakt.
Das Objektiv selbst hat die über 6 Jahrzehnte gut überdauert, es hat äußerlich einige Gebrauchsspuren, anscheinend wurde es gerne und viel genutzt.
Die Linsenelemente sind in gutem Zustand, und es gibt keinen Nebel oder ähnliches im Inneren.
Kameras für die Bilder dieses Tests waren die Sony Alpha 7III (Kleinbildformat, 24MP) und die Sony Alpha 7RIII (Kleinbildformat, 42MP).
Die Analogbilder sind mit einer Canon AE-1 gefertigt.
Die analytischen Bilder zur Bildschärfe sind alle mit der Sony Alpha 7RIII entstanden.
Die jeweils verwendete Kamera steht in den Bildunterschriften.
Alle Bilder sind im raw-Format aufgenommen worden und wurden in Lightroom entwickelt.
The combination of lens, adapter and camera is not exactly small and light.
The lens is very valuable with its solid metal socket, but its not exactly low weight and the overall length do not really make the combination
compact.
The lens itself has survived well over 6 decades, it has externally some signs of use, apparently it was gladly and much used.
The lens elements are in good condition, and there is no fog or anything like that inside.
Cameras for the images of this test were the Sony Alpha 7III (small image format, 24MP) and the Sony Alpha 7RIII (small screen format, 42MP).
The analog images are made with a Canon AE-1.
The analytical images for image sharpness have all been created with the Sony Alpha 7RIII.
The camera used in each case is in the captions.
All images have been taken in raw format and were developed in Lightroom.
Ich habe eine Bildreihe zur Bewertung der Schärfe für euch angefertigt, bei der sowohl das Bildzentrum als auch die Bildecke in einer Schärfeebene liegen.
Fokuspunkt war das Dach des Hauses rechts der nach oben führenden Straße.
Das Haus in der rechten unteren Bildecke liegt auf der gleichen Höhe und somit in der gleichen Schärfeebene.
Die Blendenreihe zeigt die Werte f2 - f2.8 - f4 - f5.6 - f8 - f11
I have created a series of images for you to evaluate sharpness, in which both the center and the corner of the image are in the same plane of focus.
The focal point was the roof of the house to the right of the street leading up.
The house in the lower right corner of the image is at the same height and therefore in the same plane of focus.
The aperture series shows the values f2 - f2.8 - f4 - f5.6 - f8 - f11
Die vom Objektiv verursachte Vignettierung ist bei Offenblende gut sichtbar.
Bei f2.8 und f24 ist sie jeweils schon deutlich gemildert,
aber erst bei f5.6 unkritisch.
Als nächstes folgen 100%-Vergrößerungen aus der Bildmitte vom Fokuspunkt,
in der gleichen Reihenfolge wie oben:
The vignetting caused by the lens is clearly visible when the aperture is wide open.
At f2.8 and f4 it is already significantly reduced,
but to be uncritical it needs f5.6.
Next are 100% enlargements from the center of the image from the focus point,
in the same order as above:
Bei f2 ist die Schärfe in der Bildmitte bereits auf gutem Niveau, die Kontraste sind noch stark steigerungsfähig und es gibt einen gut sichtbaren Glow aufgrund der sphärischen Aberration.
Dieser Glow ist bei f2.8 schon deutlich gemindert und die Schärfe steigert sich sichtbar auf sehr gutes Niveau, bei f4 hat auch der Kontrast sehr gutes Niveau erreicht.
Bei 5.6 steigert sich die Schärfe auf ausgezeichnetes Niveau und bleibt so bis einschließlich f11.
At f2, the sharpness in the middle of the image is already on a good level, the contrasts are still highly increasing and there is a highly visible glow due to
the spherical aberration.
This glow is already significantly reduced at f2.8 and the sharpness increases visibly to a very good level, with f4 the contrast has also reached a very
good level.
At 5.6, the sharpness increases to excellent level and thus remains up to and including f11.
In der Bildecke ist die Bewertung kaum anders.
Bei f2 überlagert die kräftige Vignette mit ihrer Abdunkelung stark. Die sphärische Aberration ist in der Ecke sehr deutlich und der Schärfebereich erreicht die äußere Bildecke noch nicht.
Bei f2.8 erhöht sich die Grundschärfe in der Ecke sichtbar, es verbessert sich auch leicht die Vignette.
Bei f4 gibt es einen weiteren Schärfesprung auf sehr gutes Niveau.
Bei f5.6 ist die Schärfe in der Bildecke sehr gut und die Vignette ist verschwunden
Bei f8 und f11 ist die maximale Schärfe- und Kontrastleistung in der Ecke auf ausgezeichnetem Niveau erreicht.
Bei allen Vergrößerungen aus der Ecke sind gut sichtbare Spuren von lateralen chromatischen Aberrationen zu erkennen, z.B. an den Fensterrahmen.
Zusammenfassend kann man sagen:
Bereits bei Offenblende f2 ist das Objektiv im erweiterten Bildzentrum gut scharf, ab f2.8 sehr gut.
Rand- und eckscharf ist es ab f4,
für perfekt scharfe Ecken muss man bis auf 8 abblenden.
Diesem Sprichwort entsprechend hatten wir im letzten Jahr im April eine Woche in der heiligen Stadt gebucht.
Was das für eine ereignisreiche Woche mit unglaublichen Eindrücken werden sollt, konnten wir vorab nicht ahnen. Denn als wir an diesem Montagmorgen am Flughafen standen und auf dem Mobiltelefon die "Breaking News" lasen, dass Papst Franziskus verstorben ist, änderte sich die ganze Atmosphäre dieser Reise für uns. Rom war eh proppenvoll wegen der unzähligen Pilger im heiligen Jahr, die die heiligen Pforten durchschreiten wollten - und nun kamen die Trauergäste aus der ganzen Welt noch hinzu.
Ein erste "besondere" Bilderserie dieser Woche mit dem Canomatic-R 100mm zeigt euch Imressionen (hauptsächlich) aus Trastevere, einem der ältesten Viertel Roms mit unglaublich vielen sehenswerten Details. Und gerade die scharfe Detaildarstellung mit dem in meinen Augen einfach schönen, klassischen Unschärferendering des Objektives habe ich bei diesen Fotos sehr genossen und auch gezielt gesucht.
Wenn es um das Hintergrundrendering geht, gibt es immer viele gegensätzliche Meinungen.
Denn ob einem die Darstellung eines Objektives gefällt oder nicht, ist einfach Geschmackssache.
Der Eine möchte alles butterweich aufgelöst haben, der Andere mag es busy mit viel Outlining und Strukturen und/oder Swirl (und natürlich gibt es ganz viel zwischen diesen Extremen in der Mitte)...
Das Canon Super-Canomatic-R 100mm f2 ist in den meisten Situationen ein Vertreter der eher weichen Fraktion.
Die Hintergründe werden oft weich und flächig aufgelöst, Outlining ist aber durchaus präsent bei hohen Kontrasten. Ebenso gibt es deutliche Catseyes bei Hintergrundhighlights.
Die Blendenwerte sind f2 - f2.8 - f4 - f5.6 - f8:
An der objektiveigenen Naheinstellgrenze von 1m ist das Bokeh erwartungsgemäß extrem weich und flächig bei Offenblende und behält diese Eigenschaft auch beim Abblenden, auch wenn aufgrund der steigenden Tiefenschärfe mehr Details (und das Sechseck der Blendenöffnung!) im Hintergrund erkennbar werden.
Das folgende Motiv zeige ich euch auf 3 Arten:
- Fokus auf den Blättern im Vordergrund bei f2
- Fokus gegen unendlich bei f2
- Fokus gegen unendlich bei f8
Diese 3er-Bildreihe zeigt euch die gleiche Szene bei 3 extrem unterschiedlichen Fokussetzungen:
- Fokus auf dem Baum ganz nah
- Fokus auf dem Beginn des nahen Geländers
- Fokus auf dem Tor am Fuß der Treppe
Sehr gerne präsentiere ich in meinen Tests die sogenannten Fokuspaare, bei denen ich das gleiche Motiv vom gleichen Standpunkt aus mit unterschiedlicher Fokussierung (bei Offenblende) zeige:
In meinen Augen lassen sich so hervorragend Rückschlüsse über die Renderingeigenschaften eines Objektives ziehen.
In my tests, I like to present the so-called focus pairs, in which I show the same motif from the same point of view with different focus (at open
aperture):
In my eyes, conclusions can be drawn excellently about the rendering properties of a lens.
Dies ist wohl für die meisten das Haupteinsatzgebiet eines hochlichtstarken Portraitobjektives.
Das Canon Super-Canomatic R 100mm f2 ist auf Portraitdistanz bereits bei Offenblende scharf (aber nicht beißend scharf wie moderne Konstruktionen) mit einem ganz leichten Rest-Glow aufgrund der sphärischen Aberration.
Eine kleine Yoga-Portrait-Serie auf größere Distanz konnte ich mit Christine in der Klosteruine Wörschweiler an einem herrlichen Sommerabend fotografieren:
Auch sonst sind mit dem Canomatic viele spontane Aufnahmen meiner Familie an den verschiedensten Orten und auf unterschiedliche Distanzen entstanden. Das Rendering der Hintergründe gefällt mir hierbei besonders gut: nicht zu weich und flach, immer mit Reststrukturen, die aber nie zu aufdringlich werden. Ein echtes Charakterbokeh im positiven Sinn (wie immer gilt: Schönheit des Bokehs ist eine sehr subjektive Sache).
Auch mein Freund Sascha, "bekennender Analogfotograf", muss gelegentlich bei unseren gemeinsamen Fototouren modeln, wenn das Licht so wie hier wunderschön ist:
Die eben gezeigten Portraits von Sascha gehören thematisch schon in die nun folgende Serie:
Ein gemeinsamer Fotowalk führte uns ins nahe Sarregemuines über die französische Grenze.
Eine pittoreske kleine Stadt mit unzähligen Fotospots - und das Wetter meinte es besonders gut mit uns an diesem Tag. Ein schöner, sonniger Vorabend - perfekt für Flares und dramatische Licht-Schatten-Verläufe :-)
Es gibt nur eine sehr leichte tonnenförmige Verzeichnung,
selbst in diesem Testbild ist sie fast nicht wahrnehmbar.
Ich kann mir kaum eine Situation vorstellen, wo diese Verzeichnung einer Korrektur bedarf.
Keines der Bilder in diesem Test ist auf Verzeichnung korrigiert.
In den letzten Jahren fotografiere ich wieder sehr viel analog.
Das Arbeiten mit Film (ich entwickele und scanne auch selbst) ist ein anderes als digital.
Der Begriff "Entschleunigt" trifft es in meinen Augen wirklich. Man denkt vor dem Bild mehr nach, man fokussiert sehr genau, es dauert bis die 36 Aufnahmen des Filmes voll sind und entwickelt.
All diese Verzögerungen sind in unserer heutigen schnell getakteten Welt ein Ausgleich für mich, der gut tut.
Die folgende Schwarz-Weiss-Bildserie ist auf einem durch die Saarpfalz-Touristik (unbezahlte Werbung - einfach tolle Wanderwege!) markierten Wanderweg, dem "Spazierweg Metzelberg" in Ommersheim entstanden.
Fotografiert habe ich mit der Canon AE-1, dem Super-Canomatic-R 100mm f2 auf ADOX Silvermax 100 Schwarz-Weiss-Negativfilm. Entwickelt wurde er in Jobo Alpha, die Negative habe ich mit einem Nikon Super Coolscan 9000ED digitalisiert.
Die spezielle Atmosphäre in Rom nach dem Tode Papst Franziskus war auch an den "typischeren" Touristen-Spots überall zu spüren. Trauernde Menschen und Pilger überall, ich habe es mir als persönliche Challenge auferlegt, eine überfüllte Stadt "leer" erscheinen zu lassen - eine lichtstarke, leichte Telebrennweite mit ihrer Kompression hilft hierbei natürlich ungemein.
Dabei habe ich das Objektiv meistens entweder bei f2 oder f5.6 benutzt. Bei f5.6 ist es überall knackscharf, bei f2 hat es die von mir oft gesuchte selektive Scharfzeichnung mit schönen Unschärfebereichen.
Dies ist einer der schwachen Punkte des Objektives.
Neben den im Schärfekapitel bereits angesprochenen lateralen chromatischen Aberrationen in den Randbereichen, die aber leicht entfernbar sind,
zeigt das Canon longitudinale chromatische Aberrationen (LoCa) in Form von magentafarbenen und grünen Farbsäumen vor und hinter der Schärfeebene.
Hier das übliche Chromösenbild mit den jeweiligen Vergrößerungen von vor und hinter der Schärfeebene:
In Testbild sieht das gar nicht so schlimm aus, aber in Real-World -Szenarien werden die loCAs oft sehr deutlich. Selbst in den Gesamtbildern sind sie oft auf den ersten Blick an Kontrastkanten zu erkennen:
Dabei ist oft auch Purple Fringing in der Schärfeebene mit im Spiel wie bei den folgenden Beispielbildern (auch im Gesamtbild gut zu erkennen), so dass man eine wilde Mischung aus Unschärfe-CAs und In-Focus-CAs bekommt:
Insgesamt als eine der Schwachstellen. Aber zur Ehrenrettung muss man sagen, dass es keine zeitgenössischen (ich erinnere daran, Erscheinungsjahr 1959!) lichtstarken Teleobjektive gibt, bei denen das erwähnenswert besser ist.
Selbst deutlich jüngere Rechnungen verhalten sich nicht besser.
Erst in den letzten 15 Jahren wurden in diesen Bereichen signifikante Fortschritte gemacht.
Für "luftige Frühjahrsgemälde" ist das Super-Canomatic R 100mm f2 wie geschaffen.
Mit seiner guten Schärfe am Fokuspunkt lassen sich feine Details herauskitzeln und mit der malerischen Art der Hintergrundgestaltung kann man hervorragend spielen und gestalten.
Ein Abstecher zum Biobauernhof "Hof Hochscheid" zum dortigen Hoffest führte uns auch über den Rittershof mit seiner pittoresken Scheune und seinen Weideflächen.
Fotografiert habe ich wieder mit der Canon AE-1, dem Super-Canomatic-R 100mm f2 auf ADOX Silvermax 100 Schwarz-Weiss-Negativfilm. Entwickelt wurde er in Jobo Alpha, die Negative habe ich mit einem Nikon Super Coolscan 9000ED digitalisiert.
Dies ist mit dem Super-Canomatic R 100mm f2 ein komplexes Thema - oder ein sehr simples, je nachdem aus welcher Sichtweise man auf die Thematik blickt :-)
Die Simplizität besteht hierin:
Das Canon ist ein nach heutigen Gesichtspunkten sehr schwaches Objektiv im Gegenlicht. MAn kann sich alle Arten von Flares und Ghosts einhandelnn, die es gibt.
Komplex wird es jetzt: Diese folgenden kreisförmigen Flares, die bei Offenblende auch herrlich durch das ganze Bild wandern je nach Winkel, kann man durchaus zur Bildgestaltung nutzen - sie geben den Bildern durchaus den letzten Pfiff:
Natürlich kann man da auch anderer Meinung sein und diese Flares verteufeln bzw. für seine Bilder absolut ablehnen.
Abgeblendet (hier auf f8) wird die Situation nicht wirklich besser, die Flares werden markanter und durch die abgegrenzte Sechseckform bestimmen sie schon das Bild mit. Dies kann man durch verschwenken auch nur wenig korrigieren:
Bei Portraits oder auch anderen indirekten Gegenlichtsituationen ist der Kontrastverlust sehr deutlich, hier muss man in der Nachbearbeitung dann eingreifen:
Herbstfarben sind ja eigentlich die schönsten Farben.
Eigentlich.
Denn, wenn es ein grauer, regnerischer Tag wie bei meiner folgenden Serie ist, helfen auch die schönen bunten Blätter nur wenig, die Stimmung der Bilder freundlich zu gestalten.
Aber das Canomatic zeigt sich auch hier als kompetenter Partner - sowohl abgeblendet bei den Aufnahmen auf lange Distanz als auch bei Offenblende bei den Detailbildern bis an die Naheinstellgrenze heran.
Es fällt mir wirklich schwer, ein Fazit zum Super-Canomatic R 100mm f2 schreiben.
Auf der einen Seite ein Objektiv, das einige sehr starke Dinge mitbringt: Bildschärfe (objektiv) und vor allem Rendering und Flareverhalten (subjektiv) sind in meinen Augen wirklich sehr schön und machen es zu einem meiner Lieblingsobjektive. Aber es kann halt auf der anderen Seite sein Alter nicht verbergen, was Farbfehlerkorrektur und allgemeines Gegenlichtverhalten angeht. Es gehört halt zur allerersten Generation der Canon Spieglreflex-Objektive vom Ende der 1950er Jahre. Und eine solch lichtstarke Konstruktion war damals nichts alltägliches, da muss man einfach einige Schwächen einkalkulieren bei dieser hohen Lichtstärke.
Also hier nochmal zusammenfassend die objektiv "messbaren" Testergebnisse:
Die Bildschärfe ist im Zentrum bei Offenblende f2 gut, aber bereits bei f2.8 haben wir hier sehr gute Werte erreicht. Randscharf ist es ab f4 und ab f8 sind auch die Bildecken hervorragend scharf.
Die Vignette bei Offenblende ist stark und erst bei f5.6 verschwunden.
Die Verzeichnung ist kaum erkennbar tonnenförmig.
Die Korrektur auf Farbfehler ist mäßig, laterale chromatische Aberrationen sind hier kein großes Problem, aber die longitudinalen CA'S sind oft unübersehbar, vor allem das Bokeh-Fringing (auch gerne in Kombination mit Purple Fringing in der Schärfeebene).
Im Gegenlicht ist mit dem Objektiv nicht viel zu machen, hier ist es einfach zu empfindlich - außer man begeistert sich für die schönen runden Halos bei Offenblende.
Und trotzdem hat mir dieses Objektiv sehr viele sehr schöne Fotos beschert.
Außergewöhnliche Fotos, deren Look natürlich nicht jedermanns Geschmack trifft - aber meinen schon. Das Rendering ist charakterstark - grundsätzlich sind die Hintergründe weich, aber es gibt immer ein gewisses Outlining und vor allem Highlights in der Unschärfe sind sehr charakteristisch mit starken abgerundeten Catseyes auch schon relativ nahe der Bildmitte.
Gerade die Portraits und Personenaufnahmen gefallen mir sehr, sie haben einen besonderen Charme, weit weg von technischer Perfektion. Der Glow wirkt wie eine Weichzeichner auf der Haut der Models bei gleichzeitig genug Schärfe auf den Augen.
Auch Detailaufnahmen, bei denen im Hintergrund die Aberrationen das Bild mitgestalten, haben es mir angetan. Und gleichzeitig ist es bei Abblendung ein vollwertig nutzbares Teleobjektiv, mit dem man auch sehr scharfe Landschafts - oder Architekturaufnahmen machen kann.
Also kein Objektiv, mit dem Jedermann glücklich werden kann - wer aber auf diese Besonderheiten steht, für den ist dieses Stück Objektivgeschichte eine erstrebenswerte Investition. Aufgrund der kurzen Bauzeit ist es aber ein nicht so leicht zu vernünftigen Konditionen zu findendes Objektiv.
Wie immer freue ich mich auf eure Kommentare und Meinungen zu Objektiv und Test im folgenden Kommentarbereich!
Tests von anderen Canon-Objektiven:
Tests of other Canon-lenses:
- Canon FD 55mm f1.2 Aspherical
- Canon Super Canomatic R 58mm f1.2
Diese Tests von Objektiven mit vergleichbarer Brennweite könnten auch interessant sein:
These tests of lenses with comparable focal length might also be interesting:
- Carl Zeiss Dynarex 90mm f3.4
- Carl Zeiss Jena Prakticar 80mm f1.8
- Enna (München) Ennalyt 85mm f1.5
- Konica Hexanon AR 100mm f2.8
- Meyer Optik Görlitz Primoplan 75mm f1.9
- Meyer Optik Görlitz Telefogar 90mm f3.5
- Olympus OM Zuiko Auto-Macro 90mm f2
- Tokina AT-X 90mm f2.5 Macro (Bokina)
- Tokyo Kogaku RE Auto-Topcor 85mm f1.8
- Tokyo Kogaku RE Auto-Topcor 100mm f2.8
- Vivitar 100-200mm f4 Close Focusing Zoom