Pentax SMC 35-70mm f2.8-3.5

Liebe Freunde der Objektiv-Youngtimer,

 

ich möchte euch das

Pentax SMC 35-70mm f2.8-3.5

gerne vorstellen.

Gebaut wurde es von 1978 bis 1983. Es basierte auf einem Prototypen mit durchgängig f2.8, der jedoch nicht in die Produktion ging.
So wurde es zu einem Modell mit variablen Blendengrundwerten an beiden Enden des Zoombereiches.
Eine Besonderheit ist die Einring-Bedienung (Push-Pull- Zoom ).
Am kürzesten ist das Objektiv bei 70mm, um in den Weitwinkel zu kommen muss man das Objektiv ausziehen. Somit ist es bei 35mm am Längsten.

Einige technische Daten:

Blende : von f2.8/3.5 bis f22, 7 Blendenlamellen
Länge: 67mm
Filtergewinde:58mm
Gewicht: 470g
Mindestfokusdistanz: 1m
Anschluss: Pentax PK
Optischer Aufbau: 7 Linsen in 7 Gruppen (das Schema findet ihr hier: https://www.pentaxforums.com/lensrev...Zoom-Lens.html)

Natürlich zeige ich euch auch einige Bilder des Objektives:

Die geringste Länge hat es bei 70mm Brennweite, bei 35mm ist es am Längsten:

Und so sieht es fertig adaptiert an die Sony A7RIII aus:

Das Objektiv ist sehr gut verarbeitet und für seine Größe gefühlt sehr schwer.
Die Kombination Sony mit L-Winkel und Objektiv fühlt sich relativ ausgewogen an, das Objektiv ist auch nicht zu groß.
Bei Auszug in den Weitwinkel wird es etwas kopflastiger, ist aber ebenfalls gut zu halten.

Generell ist die objektiveigene Nahdistanz von 1m der "Showstopper", es ist dann nur bedingt zu empfehlen, weil die Vielseitigkeit damit komplett fehlt.
Bei der Benutzung eines Helicoid -Adapters zur Adaption sieht das ganze schon viel besser aus.
Man kommt damit wirklich in den Nahbereich (bei 35mm bis kurz vor die Frontlinse, bei 70mm geschätzt 40-50cm) und es erweitert sich die Nutzbarkeit enorm.

Ich habe die letzten Wochen viel mit dem Objektiv fotografiert,
und, für mich durchaus überraschend, erweist es sich als sehr vielseitig und bereitet mir viel Spaß.

An Neujahr war bei uns fantastisches Wetter: herrlicher Sonnenschein und 15 Grad - gefühlt ein toller Frühlingstag!
Ich hatte das Pentax mit auf einem kleinen Spaziergang und wegen der bereits tiefstehenden Sonne konnte ich es "auf Herz und Nieren" testen,
auch was das Gegenlichtverhalten angeht.

 

Dabei erweist es sich als sehr gut für ein altes Zoom-Objektiv im Gegenlicht - sowohl bei Offenblende:

... als auch deutlich abgeblendet, um Blendensterne zu bekommen (die übrigens mit ihren 14 relativ gut definierten Strahlen sehr schön sind!) - zu beachten ist auch die geringe Neigung zu Flares und Kontrastverlusten:

Auch direkt gegen die tiefstehende Sonne (sie war so hell, dass man mit bloßem Auge nicht hinsehen konnte!), ergeben sich nur ein relativ geringer Kontrastverlust und nur wenige Flares (Bild 1 bei 35mm, Bild 2 bei 70mm):

Neben der guten Leistung gegen die Sonne erweist sich das Pentax auch als sehr scharf - sowohl bei Offenblende als auch abgeblendet gibt es nichts zu meckern.

Auch die Korrektur auf Farbfehler sieht in diesen Extremsituationen wirklich gut aus. Bei den Offenblendbildern etwas Bokeh-Fringing - aber nichts weltbewegendes.

Bei 70mm kann man mit dem Pentax-Zoom bei Offenblende auch schöne (Hunde-)Portraits machen -

das Bokeh ist für ein Zoom-Objektiv sehr ansehnlich und die Schärfe bei Offenblende passt:

So ein 35-70mm-Zoom ist ein sehr schöner flexibler Brennweitenbereich als "Walkaound"-Linse -

und auch für Landschaften ist es bei allen Brennweiten bei f8 absolut randscharf:

Hier einige Beispielpaare für die mögliche Bildgestaltung mit den unterschiedlichen Brennweiten:

 

Paar 1: 35mm und ca 50mm, jeweils bei f8 - der Fokus lag auf dem Baum im Wasser:

Paar 2:  35mm und 70mm bei f8:

Paar 3: Jeweils 70mm und f3.5 - Fokus einmal auf dem nahestehenden Baum, einmal auf der Brücke:

Paar 4: Bokehvergleich bei Offenblende - Bild 1 bei 35mm, Bild 2 bei 70mm:

Paar 5: Nahbereich bei 35mm und 70mm, jeweils bei Offenblende:

Das Objektiv alleine ermöglicht ja nur eine Nahgrenze von 1m - dies ist sehr unflexibel.

Zum Glück besteht die Möglichkeit, bei der Adaption an die spiegellosen Systemkameras, einen Helicoid-Adapter zu verwenden, der wie ein flexibler Zwischenring ein Fokussieren in den Nahbereich ermöglicht.

Die folgenden Bilder zeigen, dass wohl nicht die optische Leistuingsfähigkeit, sondern andere technische Notwendigkeiten ausschlaggebend für die 1m-Grenze sind.

Denn auch im Nahbereich ist das Objektiv ab Offenblende sehr scharf:

Auch abgeblendet (und hier auch noch voll gegen die Sonne) ist die Schärfeleistung sehr gut:

Hier noch 2 Blendenpaare im näheren Bereich,

jeweils bei Offenblende und f5.6:

Optisch der auffälligste Fehler ist die deutliche Vignettierung bei 35mm -

hier bei Offenblende:

Abgeblendet auf f5.6 ist diese schon deutlich gemildert  - und auch die Randbereiche profitieren vom Schärfezuwachs:

Abgesehen von dieser Vignette ist die Bildleistung wirklich bei allen Brennweiten sehr gut für ein altes Zoom:

Bei Offenblende im Zentrum schon sehr gut, wird es über den kompletten Brennweitenbereich bei f8 randscharf - etwas, was man bei einigen Konkurrenten aus der gleichen Zeit nicht  findet.

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Verzeichnung.

Vor allem ältere Zoom-Objektive sind in dieser Hinsicht nur unzureichend korrigiert.

Aber das Pentax zeigt hier eine ordentliche Leistung.

Bei 35mm verzeichnet es sichtbar tonnenförmig, bei 50mm ist es verzeichnungsfrei und bei 70mm verzeichnet es in geringem Maß kissenförmig.

Da diese Verzeichnungen komplett ohne komplexe schnurrbartartige Elemente sind,

kann man sie in LR mittels der Verzerrungskorrektur komplett entfernen.

 

Hier die Verzeichnung bei 35mm. Bild 1 unkorrigiert, Bild 2 ist in LR mit dem Wert + 14 korrigiert:

Bei 50mm ist keine Korrektur nötig:

Bei 70mm wieder zuerst das unkorrigierte, daneben das mit -2 in LR korrigierte Bild:

Mein Fazit:

 

Ein zu seiner Zeit mit Sicherheit zu den Spitzen-Objektiven gehörendes Zoom-Objektiv,

das auch heute noch sehr überzeugen kann und schöne Bildergebnisse liefert.

 

Gute zentrale Schärfe ab Offenblende, bei f8 bei allen Brennweiten randscharf.

 

Wenig auffällige Farbfehler- man muss chromatische Aberrationen mit Extremsituationen erzwingen.

 

Für ein Objektiv aus den 1980er-Jahren sehr gute Gegenlichtergebnisse. Kaum Flares und Kontrastverluste.

 

Auffällig ist die deutlich sichbare Vignettierung bei 35mm. Die anderen Brennweiten zeigen diese nicht.

 

Ein zu berücksichtigender Punkt ist die Verzeichnung. Bei 35mm ist diese sichtbar tonnenförmig, bei den anderen Brennweiten vernachlässigbar und heutzutage in der Nachbearbeitung komplett entfernbar.

 

Für die heute aufgerufenen Preise ist das wirklich ein No-Brainer und von mir eine klare Kaufempfehlung, wenn man ein Objektiv in diesem Brennweitenbereich sucht.

 

Abschließend noch einige weitere Beispielbilder. Wenn ihr möchtet, könnt ihr mir eure Gedanken zu diesem Review gerne unten in die Kommentare schreiben!

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Ute Kopka (Freitag, 18 Februar 2022 22:29)

    Wieder eine sehr gelungene Vorstellung Nikolaus! Die Wiedergabe der Farben ist wunderschön.