Miyako 50mm f1.7

Dieses Objektiv ist für mich ein Kuriosum - ich habe dazu im Netz NICHTS (außer einem Bild vom Objektiv) gefunden.
Weder von wann das Objektiv ist, noch wer es hergestellt oder vertrieben hat.

Zuerst mal ein paar technische Daten:

Länge: 32 mm  bis zum Bajonett, 38,5mm Gesamtlänge

Durchmesser: 59,5mm

Filterdurchmesser: 52mm
Anschluß: Pentax PK
Blende : von f1.7 bis f22 mit Klickstops bei den halben Blendenstufen, 6 ganz leicht gerundete Blendenlamellen
Naheinstellgrenze: 45cm

Das Objektiv sieht aus wie ein typischer Vertreter der 1980er Jahre, und ich würde es auch als aus dieser Zeit stammend einordnen.
Die Haptik ist sehr gut, alles aus Metall bis auf den Gummi-Fokusring, die Blende rastet sehr schön klickend ein.
Der Fokusring ist butterweich und sehr gut zu dosieren, leider hat sich die Verklebung des Gummiring etwas gelöst, sodaß dieser "durchdreht".
Das ist aber kein Problem, weil "aussen" genug Platz zum greifen ist.

Ein paar weitere Bilder des Objektives:

Die für die Vorstellung verwendete Kamera war die Sony A7III,

die Bilder sind in Lightroom angepasst.

 

Zum Beginn der Vorstellung möchte ich euch als erstes eine Blendenreihe zu Einordnung der Bildschärfe zeigen.

Aus folgendem Ausgangsbild seht ihr darunter 100%-Vergrößerungen der Bildmitte, wo der Fokuspunkt lag und der äußersten Bildecke rechts oben. Beide Punkte liegen in einer Schärfelinie.

100%-Vergrößerungen aus der Bildmitte bei f1.7, f2.8, f4, f5.6, f8 und f11

Meine Einschätzung zur Bildmitte:


Bei f1.7 "gut", noch etwas überstrahlt und kontrastarm.
Bei f2.8 "sehr gut-", die Kontraste sind schon deutlich besser und die Überstrahlungen auch.
Bei f4 und f5.6 ist das "sehr gut",
bei f8 und f11 "ausgezeichnet", da gibt es für mich nichts zu meckern.
Interessant, dass bei f11 keine Auswirkungen der Diffraktion (Beugung) zu bemerken sind.

100%-Vergrößerungen aus der Bildecke oben rechts bei f1.7, f2.8, f4, f5.6, f8 und f11

Meine Einschätzung zur Bildecke:

Bei f1.7 ist die grundsätzliche Schärfe schon knapp gut, aber noch stark von der spärischen Aberration überlagert. Auch die Vignette trägt mit ihrer Abdunklung negativ zum Eindruck bei.
Bei f2.8 wird die eigentliche Schärfe nur etwas angehoben, aber die Aberration und Vignette verschwinden.
Ab f4 bis f8 denke ich, befinden wir uns für die äußerste Bildecke schon im sehr guten Bereich mit geringen Unterschieden.
Bei f11 ist die Schärfe bis in die Ecke ausgezeichnet.

Fazit zur Bildschärfe:


Bei f1.7 und f2.8 ist die Bildmitte schon sehr gut zu benutzen, die Ecken hängen noch etwas nach.
Ab f4 gibt es über das ganze Bild nichts mehr zu meckern,
bei f11 ist das Objektiv hervorragend bis in die letzte Ecke

Für mich ist die Schärfe bei einem alten manuellen Objektiv nicht das Wichtigste (wobei das Miyako in dieser Disziplin eine gute Figur macht!),

sondern die Art, wie es Bildinhalte darstellt. Dazu gehören das Bokeh ebenso wie die Schärfe-Unschärfeverläufe.

 

Hier ein Bild bei f1.7 und f2.8 vom gleichen Motiv. Bei f1.7 sieht man, dass es im Nahbereich noch etwas überstrahlt und kontrastarm ist. Beim Abblenden auf f2.8 sind sowohl Schärfe als auch Kontrast voll da. Toll finde ich, dass das Bokeh dabei sehr schön weich und unaufgeregt bleibt.

 Ich habe hier eine weitere Beispielserie für das Hintergrundbokeh mit 3 Bildern für euch bei f1.7, f4 und f8. Fokus lag auf dem Ast direkt vor dem Kirchturm. Es bleibt auch abgeblendet schön weich, einzig die von der Blendenform beeinflussten "Stopschilder"im Baum auf der linken Seite stören etwas.

Die meisten Objektive mit einem schön weichen Hintergrundbokeh haben aufgrund ihrer Korrektur im Gegenzug ein harsches, nervöses Vordergrundbokeh. Das Miyako bildet hier eine Ausnahme, denn sein Vordergrundbokeh bleibt schön weich.

Da Bilder mehr als 1000 Worte sagen, hier viele weitere Beispiele für das schöne Bokehverhalten bei Offenblende f1.7

Kommen wir zu den Schwächen des Objektives. Neben der oben bereits angesprochenen Vignettierung neigt es bei Offenblende zu Farbfehlern, sogenannten Chromatischen Abberationen.

Hierfür ein Beispielbild mit einer 100%-Vergrößerung aus diesem Bild, die das Ausmaß abschätzen lässt:

Der größte Schwachpunkt ist das Gegenlicht bzw. Streiflichtverhalten des Objektives.

Man kann sich, wenn man es provoziert, so ziemlich jede Art von Flares oder/und Kontrastverlust einhandeln, die man sich vorstellen kann.

 

Hier ein Beispiel für den auftretenden Kontrastverlust im Streiflicht.

Das erste Bild nur mit Gegenlichtblende aufgenommen, man sieht schön den extremen Kontrastverlust. Das zweite Bild ist zusätzlich mit der Hand abgeschattet, so bekommt man das Streiflichtproblem zuverlässig in den Griff.

Anders sieht es aus beim Fotografieren gegen die Sonne. Jeder Versuch, abgeblendet auf f11 oder f16 einen Sonnenstern zu bekommen, führt unabänderbar zu heftigen Flares. Besonders schlimm ist der rote "Blob" oberhalb der Sonne und die verschleiernde Überlagerung im Rest des Bildes. Hier zeigt sich, dass die Vergütung des Objektives nicht sehr effektiv ist.

Bei Offenblende kann man durchaus mit dieser Schwäche spielen und mit etwas Kreativität sehr schöne, interessante Bilder bekommen:

Abgeblendet auf f5.6 oder f8 liefert das Objektiv eine tolle Schärfe über das ganze Bild,

also für Landschaftsaufnahmen ist es absolut geeignet.

 

Meine Einschätzung:

 

Ein sehr schönes Objektiv, das durch ein cremiges Rendering bei tadelloser Schärfeleistung überzeugen kann.
Die Farbfehler sind altersgerecht, die Vignette bei f1.7 und die Probleme im Gegenlicht sind unübersehbar.
Trotzdem weisen die Bilder einen großen Charme auf - begünstigt durch die schwächeren Kontraste bei Offenblende.
Ab f2.8 ist die Leistung durchweg sehr gut, bei f8/f11 bis in die Ecken ausgezeichnet.
Also ein schönes "Allround"-50er, das sowohl weich malen kann als auch landschaftstauglich ist.
Ich bin wirklich positiv überrascht, solch eine Leistung hatte ich von diesem "mysteriösen" Objektiv nicht erwartet,
denn die "Marken Nifty-Fifty" der 80er sind auch nicht oder nur in Einzeldisziplinen besser.