Carl Zeiss Super-Dynarex 135mm f4

Das Carl Zeiss Super-Dynarex 135mm f4 war das mittlere Teleobjektiv zur Carl Zeiss Icarex.

Es gab es ab 1968 sowohl mit Bajonett-Anschluß (Icarex BM) als auch mit M42-Schraubanschluß für die entsprechenden BM bzw. TM-Kameras.

Das Design des Objektives stammt von Voigtländer (Voigtländer gehörte zu dieser Zeit zu Zeiss) und entspricht dem Vogtländer Super-Dynarex 135mm f4 zur Voigtländer Bessamatic bzw. Ultramatic.

Da die Icarex keine Zentralverschlußkamera wie die Bessamatic ist, konnte das Design des Objektives anders ausgelegt werden, was zu einer deutlich verbesserten Naheinstellgrenze von 1,5m (das Voigtländer-Objektiv hatte 4m!) führte.

 

Haptisch und optisch sind die Objektive zur Icarex über jeden Zweifel erhaben,

die gefrästen Aluminium-Verstellringe und die passenden Zierringe an der Objektivfront vermitteln in Kombination mit der "Belederung" an der ausziehbaren integrierten Sonnenblende auch heute noch höchste Qualität.

 

Einige technische Daten:


Gewicht: 364g
Länge: 87,5mm
Optische Rechnung: 4 Linsen in 3 Gruppen
Blende: von f4 bis f22, stufenlos verstellbar, 5 Blendenlamellen

Naheinstellgrenze: 1,5m

 

Weitere Bilder:

So sieht das Objektiv adaptiert an die Sony Alpha 7III aus

(Adaptierung über folgenden Weg: dünner Icarex-BM auf Canon EF-Adapterring, dann Helicoid- (Macro-Focussing-) Adapter Canon EF auf Sony E-Mount):

Alle Bilder sind mit der Sony Alpha 7III enstanden und mit Lightroom entwickelt.

 

Starten möchte ich meine Objektivvorstellung mit einer Schärfereihe auf mittlere Distanz.

Die Blendenstufen f4, f5.6, f8 und f11 seht ihr hier in voller Auflösung:

Ich finde die Schärfeleistung absolut erstaunlich für eine über 50 Jahre alte Rechnung.

 

Bei f4 ist die Schärfe in der Bildmitte (der Fokus lag auf dem "Kreuz") schon sehr gut,

und auch am Bildrand sind die Nieten schon sehr scharf. Die Bildecke ist ebenfalls auf sehr gutem Niveau (an dem angeschnittenen Schild rechts unten kann man die einzelnen Reflexpunkte erkennen!).

 

Bei f5.6 und f8 ist die Leistung hervorragend an allen 3 Referenzpunkten (Mitte, Rand und Ecke).

 

Bei f11 schlägt die Beugung schon zu und man hat ungefähr wieder das Offenblendniveau.

 

Sichtbar ist die Vignettierung bei f4, die aber ab f5.6 absolut zu vernachlässigen ist.

 

Dass diese Leistung nicht nur "am Freiluft-Testchart" erreicht wird, möchte ich mit den folgenden auf f8 abgeblendeten Bildern auf große Distanzen zeigen.

 

Das erste Bild ist das Gesamtbild, ein Blick über das Saartal. Links sieht man die Dillinger Hütte, rechts das Saarpolygon. Die Distanz beträgt einige Kilometer, und trotz der Luftunruhe zeigen die beiden 100%-Vergrößerungen vom linken und (fast) vom rechten Bildrand eine erstaunliche Detailfülle.

Zum untermauern dieser tollen Leistung noch einige Beispielbilder auf große Distanz bei Blendenwerten zwischen f4 und f8.

Auch auf mittlere Distanzen weiß das Super-Dynarex absolut zu überzeugen.

Trotz der geringen Offenblende von f4 kann man auch auf mittlere Distanzen schon eine schöne Separierung von Motiv und Hintergrund erreichen.

Und dies mit einer schön samtigen Unschärfe, bei der auch Details nie aufdringlich werden.

 

Einziger Kritikpunkt auf lange und mittlere Distanzen ist die mittelmäßige Kontrastleistung, vor allem gegen die Sonne.

Hier kann man aber mittels der "Dunst entfernen"/"Dehaze"-Funktion der EBV aber gut entgegenwirken.

Die beste Figur macht das Super-Dynarex meiner Meinung nach aber bei kurzen Distanzen.

Es bietet eine herrvoragende Schärfe bei nahen Motiven, die auch bei zusätzlicher Nahbereichsfokussierung mittels des Helicoid-Adapters nicht einbricht,

Dazu kommt ein sehr schönes Hintergrundbokeh mit sehr leichter Tendenz zum Swirl und ein ebenso schönes Vordergrundbokeh.

Altersgerecht ist die Korrektur auf Farbfehler. An harten Kontrastkanden sowie an metallischen Oberflächen in der Sonne findet man gerne chromatische Aberrationen.

Ihr seht jeweils das Gesamtbild sowie die Vergrößerung daraus daneben.

Insgesamt gesehen ist das Ausmaß der CA aber nicht dramatisch und in den meisten Fällen wäre es auch bei Bedarf in der EBV korrigierbar.

Gut schneidet das Objektiv in der Kategorie Verzeichnung ab.

Es verzeichnet schwach kissenförmig, aber ohne komplizierte schnurrbartartige Verzeichnung.

Bei Bedarf wäre diese unkompliziert in der EBV zu beheben. Sie ist aber so schwach,

dass ich dies bei keinem "Real-World"-Foto bisher machen musste.

Ein Schwachpunkt beim Super-Dynarex ist das Verhalten im Gegenlicht.

Hier muss man aufgrund einer Besonderheit etwas aufpassen:

Die metallisch glänzenden Blendenlamellen können blöde interne Reflexionen verursachen.

Dies ist nur selten der Fall, vor allem bei Streiflicht kann dies bei abgeblendeten Bildern (vor allem bei f8 und f11) zu einem Kontrastverlust in derBildmitte führen.

Wenn man sich die Blendenreihe zu Testbeginn nochmal genauer ansieht, findet man den Effekt (die tiefstehende Sonne kam von links außerhalb des Bildes),

 

Auch sonst ist die Gegenlichtempfindlichkeit höher als bei einem modernen Objektiv, und Sonnensterne sind nur schwer zu bekommen:

 

Meine Einschätzung:

 

Neben dem sagenhaften Ultron 50mm f1.8 und dem sehr guten Skoparex 35mm f3.4 ist das Carl Zeiss Super-Dynarex 135mm f4 das dritte herrvorragende Objektiv aus der Objektivreihe zur Icarex.

 

Die Schärfeleistung ist selbst bei Offenblende sehr gut bis in die Bildecken. Abgeblendet braucht es sich in dieser Disziplin selbst vor modernen Konkurrenten nicht verstecken - und es hält diese Leistung bis in den Nahbereich. Das ist schon außergewöhnlich gut für ein Objektiv dieser Zeit.

Dies kombiniert es mit einem wirklich tollen Bokeh.

 

Die Schwachpunkte sind die nur mittelmäßige Kontrastleistung und die Farbfehler in Form von chromatischen Aberrationen,

 

im grünen Bereich hingegen sind die geringe Verzeichnung und die Vignettierung bei Offenblende, die aber bei Abblenden auf f5.6 schon wieder verschwindet.

 

Wie immer zum Abschluß einige abrundende Bildbeispiele: