7Artisans 35mm f1.4 (APS-C)

Liebe Freunde der modernen manuellen Objektive,

ich freue mich euch das neue

 

7Artisans 35mm f1.4

 

für APS-C-Kameras vorstellen zu können.

 

Es ist das neueste APS-C -Objektiv von 7Artisans, und passt zur "neuen Optik-Linie" des Herstellers:
In rot auf dem Objektivkorpus die Brennweite, und ein anodisiertes Bajonett.
Das Objektiv ist in schwarzer und silberner Ausführung erhältlich und ich habe mich , um Verwechslungen mit der ebenfalls bei mir vorhandenen f0.95-Version auszuschließen,
für Silber entschieden.


Technische Daten:

Optisches System: 8 Elemente in 5 Gruppen
Blende : von f1.4 bis f16, stufenloser Blendenring ohne Clicks, 9 Blendenlamellen
Gewicht:228g
Naheinstellgrenze: 35cm
Link zur Herstellerseite: https://official-7artisans-store.mys...35mm-f1-4-apsc

Der Preis ist mal wieder sensationell günstig, und es wird bestimmt bald auch auf den großen Plattformen aus Europa versendet erhältlich sein.

Hier mal eine kleine "Unboxing"-Serie, aufgenommen mit dem Schacht M-Travenar 50mm f2.8:

Das Objektiv ist komplett aus Metall und Glas gefertigt,
und die Verarbeitung ist wirklich sehr gut.
Fokusring und Blendenring laufen schön gedämpft und gleichmäßig.
Einen kleinen Minuspunkt gibt es dafür, dass beide Ringe direkt nebeneinander liegen und man sie haptisch nicht direkt auseinanderhalten kann -
man verstellt leicht, wenn man nicht aufpasst, den jeweils falschen Ring.
Aber das sollte Gewöhnungssache sein.
Einen Pluspunkt sammelt 7Artisans für den ebenfalls aus Metall gefertigten Obkektivdeckel, der übergestülpt wird und sehr gut hält.
Da könnte sich so mancher große Hersteller eine Scheibe abschneiden....

HIer einige Bilder des Objektives:

Durch die 9 Blendenlamelle bleibt die Blendenform auch beim Abblenden einigermaßen kreisförmig.

Links bei Offenblende, rechts bei ca. f2:

Und hier das Objektiv an die "passende" APS-C - Kamera (hier die Sony Alpha 6500) angesetzt -

eine wie ich Finde in Form und Größe sehr schön passende Kombination, die auch gut in der Hand liegt:

So, nun aber zu Bildern mit dem Objektiv.

Ich benutze die Sony A7RIII im Crop (APS-C)-Modus oder die Sony Alpha 6500.

Den Anfang möchte ich mit einer Blendenreihe auf nahe Distanz machen, um die Entwicklung der Hintergründe zu zeigen.
Blendenstufen sind die auf dem Blendenring aufgedruckten: f1.4, f2, f2.8, f4, f8


Meine ersten Beobachtungen: Die Schärfe ist im Nahbereich (Fokus auf dem vorderen Glasrand) ab Offenblende sehr gut.
 Abblenden auf f2 bringt eine minimale Verbesserung, auch die Kontraste werden noch einen Ticken besser (sind aber auch bei Offenblende schon gut und den meisten Altgläsern überlegen).
Ab dann bleibt es schärfe-und kontrastmäßig auf diesem hohen Niveau.

Das Bokeh ist bei Offenblende wirklich sehr schön weich, und bleibt es auch über alle Blendenstufen bei Zunahme der Schärfentiefe.
Auch die Hintergrundhighlights bleiben beim Abblenden schön rund, man sieht kaum Einflüsse der Blendenform.

So kann es weitergehen!

Als nächstes war erst mal Zeit für einen Kaffee....

Da habe ich die Gelegenheit genutzt und 2 Bilder bei f1.4 und f2 angefertigt:

Die ersten Eindrücke bestätigen sich: Das Bokeh ist auf der cremigen Seite - sehr schön (auch leicht abgeblendet). Auch hier nochmal an den Highlights links gut zu sehen, dass die Blendenform wenig Einfluss hat.

 

So, dann wollen wir mal raus an die frische Luft

Bisher habe ich fast ausschließlich Nahbereichsbilder gemacht, das Wetter animiert hier nicht gerade zu mehr (es ist entweder diesig und grau - oder diesig, grau und verregnet ).

Eine Fernaufnahme habe ich heute trotzdem geschafft - in der Barockstadt Blieskastel bin ich momentan auf der Suche nach guten Standorten für weihnachtliche Nachtaufnahmen,
und der folgende Spot könnte sich mit den passenden Brennweiten anbieten.
Abgeblendet auf f8 ist das 7Artisans richtig scharf bis in die Ecke - sehr schön:

Wie bereits angesprochen, geht es nun im Nahbereich weiter.

Hier einige Bilder bei Offenblende f1.4.

 

Zuerst ein Bildpaar, einmal an der Naheinstellgrenze und dann etwas weiter vom Motiv, dem Blatt, entfernt:

Sehr schöne Schärfe auf dem Blatt, butterweicher Hintergrund und schöne Hintergrundhighlights fast ohne Begrenzungslinien an der Naheinstellgrenze.

Auch beim etwas weiter entfernten Bild sehr schön sahniges Rendering, die Highlights werden halt kleiner - bleiben aber schön geformt.

 

Auch beim folgenden Bild ein schönes Bokeh, solche Zaunstrukturen sind sonst oft "Outlining-Horror", hier ist alles gut:

Das folgende Bild ist echt fies, chromatische Abberationen vor und hinter dem scharfgestellten Zweig sind sichtbar da.

Aber da gäbe es kaum ein Objektiv, dass diese nicht zeigt in solch einer Situation:

Im Allgemeinen sind die Farbfehler bei Offenblende in Form eines sanften Glows sichtbar -

die gute Schärfe und das tolle Bokeh lassen mich aber gerne darüber hinwegsehen.

Diese chromatischen Abberationen sind bei fast allen lichtstarken Objektiven zu finden,

und sie stechen selten ins Auge.

 

Für das samtige, cremige Rendering bei f1.4 auf kurze Distanzen habe ich noch einige Beispiele für euch:

 

Hier zum Vergleich noch ein Bildpaar bei Blende f1.4 und f2 -

das Bokeh bleibt schön weich und man sieht kaum Einfluß der Blendenform - die gerundeten 9 Blendenlamellen erfüllen ihren Zweck sehr gut.

Das Bokeh auf mittlere Distanzen ist ebenfalls sehr schön.

Es zeigt bei einem grundsätzlich weichen Rendering  deutliche Highlight-Scheiben,

die in den meisten Fällen aber am Rand nicht begrenzt sind und deshalb nicht wie die typischen "Bubbles" der Trioplane usw. wirken.

Hintergrundstrukturen sind sichtbar und erkennbar, aber sie werden nicht betont -

die Neigung zu "Outlining" ist nur gering.

Zur Verdeutlichung hier eine Blendenreihe auf mittlere Fokusdistanz "gegen den Himmel" mit Bäumen in den Randbereichen.

Blendenwerte sind wieder die Markierungen auf dem Blendenring:

f1.4 - f2 - f2.8 - f4 - f8

Eine etwas genauere Betrachtung verdient das Verhalten bei Offenblende f1.4 auf größere Fokusdistanzen. Bei gedämpftem Licht ist dies relativ ruhig, man erkennt aber durchaus "feinteilige" Strukturen in den Hintergründen:

Wenn es allerdings bei Sonnenschein stärkere Lichtreflexe in den Hintergründen gibt,

werden diese eher nervös und strukturiert wiedergegeben:

Das Gegenlichtverhalten des Objektives ist grundsätzlich auf der gutmütigen Seite.

Im Gegenlicht ohne dass die Sonne direkt im Sichtfeld ist, gibt es keine Probleme wie Schleier oder Kontrastverlust. Das folgende Bild ist bei f4 aufgenommen, die Sonne stand direkt oberhalb des Sichtfeldes:

Nimmt man die Sonne direkt ins Bild (hier bei f16, um auch einen Sonnenstern zu bekommen),

halten sich die Kontrastverluste ebenso in Grenzen - aber es zeigen sich Flares auf der der Sonne gegenüberliegenden Seite - hier die gleiche Szene wie oben, eimal mit Sonne mittig und einmal am Rand:

Prinzipiell sind diese Flares zwar da, meist jedoch nur wenig störend, wie im folgenden Bild gut zu sehen ist. Man findet nur eine ganz leichte Spur davon am Traktor:

....und hier 3 Bilder, die zeigen, dass man durch leichte Positionsänderung das Ausmaß der Reflektionen und Flares gut beeinflussen kann - so kommt man eigentlich immer zu einem Bild, in dem die Flares zwar sichtbar sind, aber das Bild nicht unbrauchbar machen  - Bild Nr. 3 ist in meinen Augen gut nutzbar trotz des grünen Blobs:

Bei Offenblende f1.4 ist mit der Sonne am oberen Bildrand ein deutlicher Kontrastverlust , der wie ein Schleier über dem ganzen Bild liegt, verbunden.

Auch hier kann man durch umkomponieren eine deutliche Verbesserung erreichen.

Trotzdem ist dies nicht die Paradedisziplin des Objektives:

Eine weitere Schwäche des Objektives sind Farbfehler (auch abgeblendet) in den Randbereichen des Bildes.

Sichtbar werden diese nur am Bildrand der jeweils kurzen Seite, z.B. bei Hochformataufnahmen wie hier oben im Bild (der Fokus lag auf den Baumen am Ende des Weges, die Farbfehler sind hier also an Ästen weit vor der Schärfeebene) - dieses Bild entstand bei f8 :

Im Querformat kommen diese eigentlich überhaupt nicht zum tragen (ebenfallls bei f8):

In meiner Fotopraxis spielt dieses Verhalten kaum eine Rolle.

Bei abgeblendeten Landschaftsaufnahmen hat man selten Bildteile, die weit vor der Fokusebene im freien Himmel sichtbar sind, so dass dies nur sehr selten ein Problem darstellt.

Und selbst falls dies der Fall sein sollte, kann man diese Farbfehler in der EBV schnell korrigieren.

Viel wichtiger in meinen Augen ist die Frage, vor allem bei einer Normalbrennweite, ob das Objektiv auch scharf istüber das ganze Bildfeld.

Zur Beurteilung habe ich hier eine Blendenreihe auf weite Distanz für euch angefertigt.

 

Blendenwerte waren wieder f1.4 - f2 - f2.8 - f4 - f8

 

Scharfgestellt habe ich auf des Haus in der vorderen Reihe in der Bildmitte. Das Haus in der rechten unteren Bildecke liegt mit diesem in einer Schärfeebene, womit ein guter Vergleich der Schärfe in der Bildmitte und der Bildecke möglich ist.

 

Hier die Gesamtbilder zur Übersicht:

In den Gesamtbildern sieht man deutlich die Vignettierung. Bei f1.4 noch stark, verbessert sich diese mit jeder Abblendstufe.

Bei f8 ist dann keine sichtbare Vignette mehr zu sehen.

Es folgen die 100%-Vergrößerungen aus der Bildmitte bei den gleichen Blendenstufen:

Die Schärfe in der Bildmitte ist bereits bei f1.4 sehr gut,

allerdings noch durch die sphärische Aberration überlagert, auch diie Kontraste sind noch nicht voll da.

Bei f2 steigern sich die Kontraste und der Glow verschwindet.

Ab f2.8 sind Schärfe und Kontraste hervorragend.

Un die 100%-Vergrößerungen aus der rechten unteren BIldecke, ebenfalls bei den gleichen Blendenwerten:

Hier sieht die Situation leider anders aus.

Bei f1.4 und f2 ist das Bild noch extrem weich.

Bei f2.8 sieht man eine leichte Steigerung,

aber erst bei f4 kann man von einer ordentlichen Schärfe sprechen.

 

Danach folgt eine "Leistungsexplosion", denn bei f8 ist auch die Ecke sehr scharf.

 

Mein Schärfefazit:

 

Ab Offenblende ist das Objektiv in der Bildmitte sehr gut nutzbar, möchte man den Glow vermeiden, muß man auf f2 abblenden.

Für Landschaften, wo man Schärfe bis in die Ecke braucht, muss man das Objektiv bei f8 verwenden, dort liefert es aber dann auch alles, was man sich wünscht.

Was bedeutet das nun in der fotografischen Praxis?

Bilder bei f8 sind bis in die Ecke sehr scharf - hierfür einige Beispiele:

Doch auch bei f5.6 sind die Bilder randscharf, nur die alleräußersten Ecken haben noch nicht 100% erreicht:

Und selbst bei f4 sind die Ränder schon gut und man merkt vom Abfall in der Praxis nur wenig:

Selbst f2.8 liefert brauchbare Ergebnisse auf große Distanzen, wenn das Licht kein weiteres Abblenden mehr zuläßt:

Insgesamt ist diese Schärfe-Charakteristik sehr praxisgerecht.

Für Portraits oder andere Bilder, bei denen die Freistellung gewünscht ist, bietet das Objektiv in der erweiterten Bildmitte ab Offenblende eine sehr gute Schärfe. Dieser scharfe Bereich weitet sich durch Abblenden immer weiter aus, bis er bei f8 bis in die äußersten Bildecken reicht.

Somit ist man eigentlich für alle fotografischen Situationen gerüstet - eine perfekte Auslegung für ein Normalobjektiv.

 

Für die Sony E-Mount User bleibt noch die Frage: Funktioniert das Objektiv auch im Kleinbild-Modus, also mit dem großen Sensor?

Hier muss ich leider enttäuschen, es gibt eine harte Vignette, und das Objektiv leuchtet wirklich nur den Crop-Sensor voll aus. Bild 1 ist bei f1.4, Bild 2 bei f8:

Interessant ist aber, dass man diese Bilder bei "wirklichen" 35mm auf das immer beliebter werdende 1:1-Format beschneiden kann, und dabei die Schärfe auch komplett bis an den oberen und unteren Bildrand reicht.

Das 7 Artisans 35mm f1.4 ist ein Objektiv, dass viele starke Seiten zeigt und nur wenige Schwächen.

Neben der praxisgerechten Schärfeleistung glänzt es vor allem durch sein schönes Bokeh auf nahe und mittlere Distanzen. Auf größere Distanzen muß man bei offener Blende genau auf die Lichtsituation achten, sonst wird es nervös.

Im Gegenlicht schlägt es sich ordentlich, da dies aber eine Disziplin ist, in der man jedes Objektiv schlecht aussehen lassen kann, findet man auch hier die Schwachstellen.

Die Farbfehler bei offener Blende sind sichtbar, aber nicht extrem. Leider gibt es selbst abgeblendet deutlich sichtbare Spuren an den Bildrändern.

Ein sehr gutes Objektiv zu einem fast unglaublichen Preis!

 

Zum Abrunden hier noch eine Bildergaleriemit einigen Motiven:

Über eure Kommentare und Meinungen zu meinem Review und natürlich zum Objektiv freue ich mich hier:

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