7Artisans 18mm f6.3 UFO Mark 2

Das 7Artisans 18mm f6.3 UFO Mark 2 ist das neueste APS-C-Objektiv des jungen chinesischen Herstellers 7Artisans.

 

Es ist der Nachfolger des 7 Artisans 18mm f6.3 UFO, eines sogenannten "Lens Cap" / "Body Cap"-Objektives,

also einem Objektiv, das nicht oder kaum dicker als ein Objektivdeckel ist.

 

Mit der hier vorgestellten Mark 2-Version wird der größte Makel des Vorgängers behoben:

Es war ein sogenanntes "Fixfokus"-Objektiv ohne Fokussierungsmöglichkeit, man war also auf hyperfokale Distanzen beschränkt.

Bei Mark 2 ist es dem Hersteller gelungen, bei unverändert minimaler Baugröße sogar einen Fokussierungshelicoid einzubauen, der ein Fokussieren von 30cm bis unendlich ermöglicht.

 

Hier ein kleines "Unboxing" des Objektives mit allem, was im Lieferumfang enthalten ist:

Eine flache Kunststoffdose als Umverpackung, in dieser liegt das in einem Säckchen eingepackte Objektiv.

Es gibt einen Objektivrückdeckel, jedoch keinen Frontdeckel.

 

 

Was sofort ins Auge springt ist die unglaublich flache Bauform des Objektives.

Es ist wirklich nicht höher als ein Objektivrückdeckel.

 

Dabei fühlt es sich sehr gut verarbeitet an, komplett aus Metall und mit griffigem Fokusring.

Kleine Abzüge gibt es für die Details: Die Beschriftung auf dem Frontring ist nur aufgedruckt, nicht graviert.

Die seitlichen Markierungen (roter Punkt, Unendlich-Markierungen) sind eingraviert und mit Lack gefüllt, leider wurde hier nicht sehr sorgfältig gearbeitet.

 

 

Angebracht an die Kamera (in meinem Fall die Sony Alpha 6500) trägt das Objektiv kaum auf,

man könnte wirklich denken, man hat nur die Kamera samt Deckel dabei.

 

Es ist an der Kamera sehr flach, man muss unheimlich "kurz greifen" zum Fokussieren (der Widerstand des Fokusringes ist übrigens genau richtig - schön smooth, aber nicht zu leicht, dass man ihn versehentlich verstellen könnte).

 

 

Ich bin noch einige technische Daten schuldig:

 

Länge: 10mm

Gewicht: 58g

Optisches System: 6 Linsen in 4 Gruppen

Blende: fix bei f6.3

Naheinstellgrenze: 30cm

 

Das Objektiv wurde mir vom Hersteller zu Testzwecken zur Verfügung gestellt für einige Wochen, hier https://7artisans.store/ findet ihr die offizielle Seite mit allen verfügbaren Objektiven.

 

Ich muss zugeben, meine ersten Gedanken zu diesem Objektiv waren:

"Und nun, was soll ich nun damit?"

18mm Brennweite entsprechen 27mm am Kleinbild - also Weitwinkel, aber auch nicht extrem.

Blende f6.3 ist nicht lichtstark - also Lowlight wird schwierig.

Keine Blendenlamellen, also auch keine Blendensterne.

Ihr merkt, ich war durchaus skeptisch und eher pessimistisch, dass "das mit uns was wird"....

 

Aber schon meine erste Runde hat mich dann sehr versöhnlich gestimmt,

denn auch mit all diesen Einschränkungen kann man einfach schöne Fotos machen,

wenn das Wetter passt und man sich mit den Gegebenheiten durch das Objektiv arrangiert:

 

 

Also, da kann man definitiv nicht meckern.

 

Die Schärfe und die Kontraste passen, und die starke Vignette trägt bei diesen Bildern definitiv ihren Teil zum schönen Bildeindruck bei (welche bei anderen Bildern natürlich stören kann).

 

Nach diesen ersten Eindrücken kommen wir doch direkt zu den wichtigen Testkriterien.

Schauen wir uns also die

 

Bildschärfe

 

genauer an.

 

Hierzu habe ich ein Foto auf weite Distanz vom Stativ angefertigt,

bei dem sowohl das anfokussierte Bildzentrum als auch die Bildecke in einer Schärfeebene liegen.

 

Hier das Gesamtbild für euch als Überblick:

 

 

Direkt an diesem Gesamtbild sieht man die starke Vignettierung , die bereits weit in der Bildmitte beginnt und zu den Ecken immer stärker wird.

Insgesamt ist diese Vignette wirklich stark ausgeprägt.

 

Zur besseren Beurteilung der Schärfe habe ich aus diesem Gesamtbild Vergrößerungen angefertigt.

 

Ihr seht die Bildmitte, der Fokus lag auf der Markise des Hauses in der Mitte,

die "Midzone" auf der halben Strecke zur Ecke

sowie die äußerste obere rechte Ecke (Anklicken zum Vergrößern!):

 

 

Die Bildschärfe ist auf weite Distanz sowohl im Zentrum als auch in der Ecke wirklich gut,

es gibt jedoch einen leichten Einbruch in der Midzone auf ordentliches Niveau.

 

Ob diese Schärfecharakteristik auch auf nahe Distanz gilt,

zeigt euch das nächste Bild auf ca. 1m Fokusdistanz:

 

 

Auch hieraus habe ich 3 Vergrößerungen für euch erstellt,

diesmal aber von Bildmitte, Midzone und Bildrand (Anklicken zum Vergrößern!):

 

 

Auch auf nahe Distanz bleibt es dabei, Bildmitte und Bildrand sind gut scharf (eher sogar etwas schärfer als auf weite Distanz) - aber es gibt einen sichtbaren "Midzone-Dip".

 

Für ein Mini-Objektiv eine sehr beachtliche Leistung!

Verzeichnung

Es gibt eine leichte tonnenförmige Verzeichnung mit einem kleinen "Schnurrbart"-Einfluss.

Insgesamt kein größeres Problem auch in dieser Hinsicht:

Farbfehler / Chromatische Aberrationen

Wie bei den meisten Weitwinkel-Objektiven gibt es auch beim 7Artisans 18mm leichte laterale chromatische Aberrationen, die zu den Bildrändern zunehmen. Sehr euch hierzu die Vergrößerungen der Schärfereihe auf weite Distanz an, dort ist das Ausmaß unkorrigiert zu sehen.

Insgesamt sind diese dank der automatischen Korrektur z.B. in Lightroom per 1-Klick-Lösung aber unproblematisch.

 

Auch die longitudinalen chromatischen Aberrationen spielen beim 7Artisans (auch aufgrund der geringen Lichtstärke) keine Rolle. Hier seht ihr als kleinen Härtetest Chromteile -

Links das Gesamtbild, rechts daneben seht ihr eine Vergrößerung:

 

Bokeh

Hier gibt es erwartungsgemäß wenig zu berichten,

bei f6.3 und 30cm Nahdistanz gibt es halt wenig Unschärfe im Hintergrund.

 

Positiv ist aber, dass das Unschärfeverhalten über die meisten Teile des Bildes schön ruhig und neutral ist,

nur zu den Ecken hin wird es minimal nervöser.

 

Hierzu einige Bildbeispiele:

 

Um etwas Vergleichbarkeit zu schaffen, hier 2 Motive, die ihr auch in vielen anderen Reviews von mir findet:

 

Bei meinen ersten Bildern hatte ich übrigens den Eindruck,

dass die Naheinstellgrenze eher mehr als 30cm sein muss.

Das täuscht aber, 30cm ab Sensorebene werden genau ereicht:

Gegenlichtverhalten / Flares

 

Dieses erste Bild in diesem Kapitel zeigt einem direkt alles, was man eigentlich wissen muss:

Das ist die Schwachstelle des kleinen Objektives.

Von Flares über interne Reflektionen über Sensorreflexe -

man kann bei passendem Winkel mit dem UFO alles bekommen, was man normalerweise nicht in seinen Bildern haben möchte....

 

 

Besonders extrem ist dies bei Kunstlichtquellen bei Nachtaufnahmen.

 

Bei gewissen Positionen dieser Lichtquellen im Bild hat man quasi eine Garantie dafür, dass das Bild durch Überlagerungen ruiniert ist:

 

 

Ein weiteres großes Problem sind große, punktuelle Sensorreflektionen direkt gegenüber von Lichtquellen, hier sehr gut bei der linken Lampe als grüner Fleck zu sehen:

 

 

Diese sind in den mittleren Bildbereichen meist nicht sehr ausgeprägt:

 

 

Je weiter am Rand oder in der Ecke sich diese Lichtquelle aber befindet, desto deutlicher und störender werden diese Reflektionen:

 

 

Ganz ehrlich, solche extremen Sensorreflektionen habe ich bei einem modernen Objektiv schon lange nicht mehr gesehen.

 

Beim folgenden weihnachtlichen Christbaumbild muss man zwar etwas genauer hinsehen, um sie zu entdecken,

 

 

wenn man sie dann aber gefunden hat, springen sie einen förmlich an.

 

In den Reflexen kann man auch gut die Zwiebelringe entweder eines asphärischen Elementes oder eines unsauber polierten normalen Linsenelementes sehen.

 

 

Zu den Randbereichen hin ist auch das Coma nicht unauffällig:

 

Im absolut normalen Rahmen bewegt sich das Objektiv, wenn es Punktlichtquellen direkt am Rand oder ausserhalb des Bildes gibt. Hier haben alle Objektive Probleme, und das 7Artisans macht keine Ausnahme.

 

Es gibt dann einen leichten Schleier, der über dem Bild liegt.

 

Wenn der Winkel passt, kann man aber hier durch Abschatten mit der Hand relativ leicht eine große Verbesserung erreichen.

Links jeweils ohne Abschattung mit der Hand, rechts mit:

Wenn es keine starken Punktlichtquellen gibt, ist das Objektiv für die Nachtfotografie wirklich sehr gut geeignet und ermöglicht schöne Bildergebnisse:

 

 

Auch wenn es stärkere Lichtquellen gibt, müssen die nicht jedes Foto ruinieren -

manchmal hat das Unperfekte ja auch seinen Reiz:

Walkaround...

In meinen Augen ist das 7Artisans auch aufgrund seiner Kompaktheit ein toller Begleiter als "Walkaround"-Linse.

Wenn man einfach die Kamera mit einem kompakten Objektiv mitnimmt, ohne zu wissen, was einen fotografisch erwartet.

So hatte ich es beim ersten leichten Wintereinbruch bei uns einfach mit zu einem kleinen Spaziergang, und die Ergebnisse enttäuschen mich in keinster Weise:

Auch bei einem kleinen Werkstattbesuch hat mich das Objektiv durchaus überzeugt -

wobei man da mit der Lichtstärke von nur f6.3 in einer dunklen Halle halt immer hohe 4-stellige ISO-Werte akzeptieren muss.

Silvester

Auch an Silvester hat mir das kleine 7Artisans einige schön Aufnahmen ermöglicht.

Verhalten am Kleinbildsensor

Bei Sony ist es dank des gleichen Anschlusses möglich, nur für APS-C gerechnete Objektive auch an Kleinbild-Kameras der A7X/A9/A1-Serien anzubringen.

Da der Bildkreis der APS-C-Objektive deutlich kleiner ist als der Objektive für Kleinbild ("Vollformat"),

gibt es dann schwarze Ecken.

 

Je nach Rechnung sind diese aber stärker oder schwächer ausgeprägt (von "Guckloch" bis fast keine Einschränkung).

 

Die Bilder mit dem 7Artisans 18mm f6.3 UFO Mark 2 sehen am Kleinbild-Sensor folgendermaßen aus, links auf die Naheinstellgrenze von 30cm fokussiert, rechts auf größere Entfernung:

 

 

Bezogen auf die kurze Bildseite gibt es keine Probeme,

und auch die lange Bildseite wird mit sichtbarem Helligkeitsabfall komplett "ausgeleuchtet",

aber die Ecken sind schwarz.

Der Übergang zu den schwarzen Ecken ist bei Fokussierung auf den Nahbereich hart und bei Fokussierung auf unendlich sichtbar weicher.

 

Eine interessante Bildwirkung, zumal das 7UFO am Kleinbild-Sensor ja ein echtes 18mm-Ultraweitwinkelobjektiv ist. Das kann an schon mal machen und erhält durchaus spannende Ergebnisse:

 

Mein Fazit

So, was bleibt nun als Fazit mit diesem extremen Objektiv?

Extrem, weil: extrem klein, extrem leicht, extrem lichtschwach und extrem gegenlichtempfindlich.

 

Machen wir es kurz: Das, was das 7Artisans 18mm f6.3 Mark 2 kann,

das kann es richtig gut.

Als kleine, leichte Walkaround-Linse bei passendem Licht schöne, scharfe Fotos machen.

 

Dabei hat es eine gute Grundschärfe bis in die Ecken mit einem leichten Midzone-Dip bei guten Kontrasten.

Auffällig ist die starke Vignette, die mit einem leichten, blauen Color-Cast daherkommt.

Die tonnenförmige Verzeichnung ist leicht, leider nicht ganz uniform sondern mit leichtem "Schnurrbart".

Chromatische Aberrationen sind kaum der Rede wert, die leichten lateralen Farbfehler kann man im Raw-Konverter mit einem Klick beseitigen.

 

Soweit, sogut - leider hat es im Gegenlicht, vor allem bei nächtlichen Puktlichtquellen starke Probleme.

Sensorreflektionen, die ich in diesem Ausmaß seit Jahren nicht mehr gesehen habe und auch sonst ein relativ schwaches Gegenlichtverhalten.

 

Also ein Objektiv, dass man gezielt für seine Stärken (extreme Kompaktheit) kauft und mit den Schwächen lebt bzw. versucht, diese so gut es geht zu umgehen.

 

Zum Abschluss mein persönliches Lieblingsbild mit dem 7Artisans 18mm f6.3 UFO Mark 2 -

darunter dürft ihr mir im Kommentarfeld gerne eure Meinungen und Eindrücke zum Objektiv und meinem Review schreiben.

 

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